Nachdem wir nun seit einigen Jahren „gelben Strom“ beziehen, dachten wir, dass es an der Zeit ist, sich nach einer „grünen“ Alternative umzusehen. Zudem ist das Preisgefüge im Strommarkt stark in Bewegung, so dass es sich lohnen kann, den eigenen Tarif ab und an einem Vergleich zu unterziehen. Vor allem lag es uns am Herzen, auf möglichst umweltfreundlichen, also nachhaltigen Strom umzustellen.
Merkwürdiges
Bei unserer Recherche im Internet stießen wir zunächst auf einige Seiten, die sich auf Stromtarif-Vergleiche spezialisiert haben. Aus verschiedenen Gründen hatten wir den Eindruck, dass diese für unsere Zielsetzung, möglichst „sauberen“ Strom zu beziehen, keine geeignete Informationsquelle waren.
Auch nahmen wir etwas verwundert zur Kenntnis, dass viele so genannte Ökostromtarife sehr günstig angeboten wurden.
Schummeleien unerwünscht
Ein Artikel auf telepolis.de brachte Licht ins Dunkel. Stark vereinfacht ergab sich dabei folgendes Bild:
Als Stromanbieter hat man z.B. einen Energiemix von 90 % Strom aus konventioneller Energieerzeugung und 10 % Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Nun sind 5 % der Bestandskunden und auch Neukunden dazu bereit, für diesen „sauberen Strom“ etwas tiefer in die Tasche zu greifen.
„Ist doch super“ denkt sich der Stromanbieter. Dann verkaufe ich denen doch einfach den sowieso schon vorhandenen Ökostrom aus meinem Energiemix, und die breite Masse, die nicht großartig darauf achtet, bekommt dafür halt anteilig statt dem 9:1-Verhältnis etwas mehr von meinem „konventionellen“ Strom geliefert. Alle sind glücklich, und vor allem habe ich durch den so angebotenen Ökostrom zusätzliche Kunden gewonnen.
In der Praxis ist das alles etwas komplizierter und wird mit so genannten RECS-Zertifikaten abgewickelt. Entscheidend ist: so lange die Nachfrage nach nachhaltig produziertem Strom nicht größer ist als das Angebot, wird ein solches System an der Zusammensetzung des Energiemixes nicht zwingend etwas ändern.
Oder anders ausgedrückt: Wenn ich bei einem solchen Anbieter meinen „Ökostrom“ beziehe, fördere ich vermutlich in keinster Weise den Ausbau regenerativer Energien für die Stromerzeugung.
Mehr Klarheit durch Ökotest
Als nächstes fand sich ein Artikel in der Zeitschrift Ökotest, für den wir ganze 2 Euro investierten.
Unter den Anbietern auf dem „1. Rang“ wurde hier nochmals diejenigen herausgestellt, deren Anteilseigner nicht an anderer Stelle ihr Geld mit Öl oder Kohle verdienen.
Damit nicht am Ende doch ein Teil unserer Gebühren die Erzeugung konventionellen Stroms gesteckt wird, wollten wir einem dieser Anbieter den Zuschlag geben.
Die Entscheidung
Unter den so verbliebenen vier Anbietern (Naturstrom, Lichtblick, Energiewerke Schönau und Greenpeace Energy) haben wir uns letztendlich für Naturstrom entschieden – ein Anbieter, der von verschiedenen Umweltverbänden gegründet wurde.
Auch wenn es sich dabei für unser Verbraucherprofil nicht um den günstigsten dieser 4 Anbieter handelte, war am Ende die Liste der Referenzkunden für uns ausschlaggebend.
Am 5. April haben wir bei Naturstrom online unseren neuen Stromtarif gebucht. Mehr muss man auch nicht tun, da der neue Anbieter sich um die Kündigung des bisherigen Tarifs kümmert.
Und so fanden wir auch am 18. April die Kündigungsbestätigung unseres alten Stromanbieters im Briefkasten. Ab Anfang Juni werden wir dann mit „sauberem“ Strom beliefert.
Endbetrachtung
Doch was sagt der Geldbeutel dazu? Ganz wichtig in dem Zusammenhang ist, dass es für Gewerbebetriebe oftmals eigene Stomtarife gibt, die teurer als die Tarife für Privathaushalte sind.
Bei unserem alten Anbieter zahlten wir im Gewerbetarif ca. 904 € + MwSt. pro Jahr. Gemäß telefonischer Auskunft war da auch nichts mit einem alternativen Tarif zu machen.
Bei Naturstrom kostet es uns bei bei gleicher Abnahmemenge ca. 847 € jährlich. Bei dieser Menge wird hier auch kein Unterschied zwischen Gewerbekunden und Privatkunden gemacht. Das wurde uns auch nach telefonischer Rückfrage bestätigt.
60 Euro oder gut 6 % gespart – wer hätte das gedacht?
Zum Vergleich:
- Beim „Lichtblick“ hätten wir mit 827 € im Jahr sogar weitere 20 € sparen können.
- Beim Anbieter „die Strommixer“, einem Lieferanten von „Ökostrom“ Strom, der von Ökotest ebenfalls auf dem 1. Rang eingestuft wurde, aber nicht zu besagter Vierergruppe gehörte (woran es hier konkret haperte, konnten wir dem Test leider nicht entnehmen), hätten wir 794 € jährlich hingelegt.
- Für diesen Artikel haben wir noch das aktuell günstigste Angebot von allen herausgesucht. Es ist von „MAINGAU Energie“ und liegt bei gut 741 €. Für die, die sich vom Namen nicht abschrecken lassen…






